Neuigkeiten
13.09.2017, 12:07 Uhr
CDU-Kreistagsfraktion bemängelt schlechte Zahlen des Gesundheitskonzerns – „Wie von uns erwartet und befürchtet, belasten die MVZ-Projekte und das Zentrum für Ästhetische Chirurgie in Seeheim-Jugenheim die Bilanz der Kreiskliniken.“
„Es war uns von Anfang an klar, dass die Pläne des Landrats Klaus Peter Schellhaas zur Umgestaltung der gesundheitlichen Landschaft im Landkreis Darmstadt-Dieburg nicht, wie immer dargestellt, Gewinne abwerfen. Jedoch überrascht uns das Ausmaß der Verluste deutlich. Die vier bisher gegründeten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in Ober-Ramstadt (eins) und Groß-Umstadt (drei) haben zum 30. Juni 2017 bereits ein Defizit von fast 160.000 Euro angehäuft.
Wobei sich der Verlust noch deutlich erhöhen könnte, da man aufgrund eines Hacker-Angriffs auf das MVZ in Ober-Ramstadt das 1. Quartal bisher nicht abrechnen konnte. Hier besteht das Risiko, dass die Krankenkassen wegen der fehlenden Unterlagen Abstriche bei den Leistungen machen könnten. Wenn sich die Zahlen so weiterentwickeln, liegen wir bei der MVZ GmbH bis zum Jahresende bei einem Verlust von bis zu 400.000 Euro, obwohl in jedem Business-Plan, der dem Kreistag vorgelegt wurde, ein Gewinn für jedes einzelne MVZ vorgerechnet wurde. Ursprünglich sollten die MVZ zur Reduzierung des Verlustes bei den Kreiskliniken beitragen und die wirtschaftliche Situation der Kreiskrankenhäuser durch verstärkte Zuweisungen verbessern. Unterm Strich bleibt aber ein Millionendefizit bei den Kreiskliniken, das sich nicht vermindert und ein zusätzliches Defizit von mehreren hunderttausend Euro durch die MVZ. Die MVZ sind somit nicht der erwünschte Auftrieb, sondern vielmehr ein Mühlstein um den Hals der Kreiskliniken“, so der Fraktionsvorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Lutz Köhler.

„Hinzu kommt noch die Entwicklung des Zentrums für Ästhetische Chirurgie in Seeheim-Jugenheim. Hier war man ambitioniert gestartet und wollte eine Schönheitsklinik in entsprechendem Ambiente schaffen, um z. B. mit der Rosenpark-Klinik in Darmstadt konkurrieren zu können. Bis zu 2.000 Patientinnen und Patienten pro Jahr sollten sich dort einem Eingriff unterziehen lassen können. Nach mehreren Umplanungen sind wir nun an einem Punkt angelangt, an dem es nur noch ein Behandlungszimmer für leichte und kleinere Eingriffe geben wird. Die größeren Eingriffe sollen weiterhin in Groß-Umstadt oder in der Klinik in Seeheim-Jugenheim vorgenommen werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob sich dieses Projekt bei einer derzeitigen Investitionssumme von 2,6 Millionen Euro jemals selbst tragen wird oder ob man damit nicht das nächste verlustträchtige Feld für die Kreiskliniken eröffnet hat. Außerdem muss man wissen, dass man für die „große“ Lösung mit OP zwei Millionen veranschlagt hatte, die man für die jetzt gebaute „kleine“ Lösung schon um 600.000 Euro überschritten hat. Außerdem fehlen in den 2,6 Millionen auch noch die Kosten eines dritten OP-Saals am Klinikum in Jugenheim, der überwiegend für die Ästhetische Chirurgie genutzt werden soll. Der Landrat, der sich in der Öffentlichkeit gerne als der große Gesundheitsdezernent feiern lässt, ist mit seiner Gesundheitspolitik krachend gescheitert. Aus diesem Grund halten wir es auch für einen fatalen Fehler, die Altenpflege in diesen sich in einer finanziellen Abwärtsspirale befindlichen Gesundheitskonzern zu überführen, weil sich dieses weitere Betätigungsfeld damit zum nächsten Verlustbringer entwickeln würde. Dass der Landrat kein guter Gesundheitsdezernent ist, hat er auch schon bei der ergebnislosen Suche nach einem Kooperationspartner für die Kreiskliniken unter Beweis gestellt. Letztendlich ist es dem Landrat wahrscheinlich auch egal, denn für die Zeche zahlt nicht er, sondern der Steuerzahler“, so Köhler weiter.

„Daher fordert die CDU-Kreistagsfraktion, dass sich der Landkreis Darmstadt-Dieburg künftig nur noch auf hausärztliche Medizinische Versorgungszentren in unterversorgten Kommunen konzentrieren und gemäß dem Motto ‚Privat vor Staat!‘ handeln soll. Außerdem soll sich der Landkreis als kommunaler Träger der Kreiskrankenhäuser um die Grund- und Regelversorgung kümmern und keine neuen, finanziell riskanten Nebentätigkeitsfelder eröffnen, denn hierdurch haben sich die Defizite in der Vergangenheit leider erhöht und nicht – wie von Landrat Schellhaas versprochen – gesenkt“, so Köhler abschließend.